Kennst du das? Plötzlich beißt sich ein Gedanke in dir fest und lässt dich nicht mehr los. Irgendetwas, das du vielleicht gerade erlebt hast. Oder etwas, das längst vergessen war und plötzlich wieder auftaucht. Etwas, das dich ab diesem Moment beschäftigt, nervt oder dir sogar Angst macht. Etwas, für das es scheinbar keine Lösung gibt und das deshalb in deinen Gedanken herumwirbelt wie der Hamster im Laufrad.

Wenn das geschieht, ist dein Gedankenkarussell angefahren. Dafür kann es unterschiedliche Gründe geben: Vielleicht hast du etwas gesehen, das eine Assoziationskette in Gang gebracht hat. Oder ein Wort, irgend eines, hat dich auf etwas ganz anderes gebracht. Oder der Gedanke ist ganz einfach so in dir aufgetaucht, wie aus dem Nichts.

Kreisende Gedanken sind wie Vampire. Allerdings saugen sie nicht dein Blut aus, sondern deine Energie, dein Selbstwertgefühl und deine Kraft. Daher solltest du alles in deiner Macht stehende tun, um das Gedankenkarussell wieder zum Stehen zu bringen. Wie das funktioniert, erfährst du hier.

Wie sich das Gedankenkarussell auf dich auswirkt

Vielleicht kennst du ja dieses berühmte psychologische Experiment. Der Versuchsleiter sagt zum Probanden: “Denken Sie jetzt nicht an einen rosa Elefanten!” Nun kannst du dich als Gedankenleser versuchen. Was ist das erste, das in den Gedanken des Probanden auftaucht? Richtig, ein rosa Elefant.

Gedanken lassen sich nicht stoppen. Die Anweisung in vielen Meditationsübungen – “Denke an nichts!” – geht an der Realität vorbei. Das Gehirn ist immer in Aktion, selbst, wenn wir schlafen. Es kommt nur darauf an, was wir denken und in welcher Geschwindigkeit.

Um das besser zu verstehen, stell dir einfach einmal ein richtiges Karussell vor. Du sitzt auf einem Holzpferd und das Karussell dreht sich. Langsam wird dir übel, und du möchtest aus dem Karussell aussteigen, aber es dreht sich viel zu schnell. Wenn du jetzt abspringst, verletzt du dich oder es passiert sonst irgend etwas. Was also tun?

Die Antwort lautet: Du musst versuchen, das Karussell zu verlangsamen, damit du gefahrlos absteigen kannst. Beim Gedankenkarussell ist es genau das Gleiche.

Gedanken ordnen

Drei Strategien gegen das Gedankenkarussell

Die Gedanken verlangsamen – das ist die erste Strategie, die dir dabei helfen kann, dem Gedankenkarussell zu entfliehen. Das ist die richtige Methode, wenn es ein ganz konkreter Gedanke ist, der dich peinigt und nicht mehr loslässt.

In vielen Fällen ist es gar nicht der Gedanke an sich, der sich so destruktiv auf dich auswirkt, sondern nur sein ständiges Kreisen, das deine gesamte Gedankenwelt beherrscht und andere, wichtigere Gedanken zur Seite drängt. Ein typischer Vertreter eines Ein-Gedanken-Karussells ist beispielsweise: “Irgend etwas habe ich vergessen, aber was? Das macht mich noch ganz verrückt!”

Die zweite Strategie bietet sich an, wenn du nicht von einem einzelnen Gedanken, sondern gleich von einem ganzen Schwarm überfallen wirst. In diesem Fall lautet die Devise: Gedanken reduzieren, im Idealfall auf einen. Dann kannst du den Problemkreis sequenziell angehen, soll heißen: eins nach dem anderen.

Ein Beispiel für ein Schwarmgedanken-Karussell wäre: “Mein Gott, den Report habe ich noch nicht fertig! Und auf das Meeting muss ich mich auch noch vorbereiten! Und das Geschenk für Jürgen, da fällt mir einfach nichts ein! Und Kirstin sollte ich endlich mal zurückrufen, sonst denkt sie noch … Und wann war noch gleich der Zahnarzttermin? Und den Report habe ich immer noch nicht fertig! Und …”

Eine der bösartigsten Bautypen des Gedankenkarussells sind negative Affirmationen, also destruktive Gedanken, die sich gebetsmühlenartig im Kopf drehen. Da Affirmationen eigentlich mentale Zustimmungsprozesse darstellen, sind negative Affirmationen eine Perversion in sich selbst: Sag ja zum Nein!

Die dritte Strategie richtet sich gegen diese besonders giftige Variante des Gedankenkarussells. Ihr Ziel ist es, negative Gedanken zu verwandeln, oder mit anderen Worten: sie in ihre positive Entsprechung umzuwandeln. Auf diese Weise schöpfst du aus dem ursprünglichen Kraftfresser neue, positive Energien, die dich auf deinem Weg unterstützen.

Ein negatives Gedankenkarussell ist beispielsweise: “Ich muss mir nichts vormachen, das schaffe ich nicht. Dafür bin ich einfach nicht gemacht. Vielleicht bin ich auch einfach nur zu blöd für sowas. Klar, dass die anderen damit kein Problem haben, die sind ja nicht solche Volltrottel wie ich. Im Grunde brauche ich es gar nicht erst versuchen, das erspart mir nur eine Enttäuschung.”

So bremst du das Gedankenkarussell herunter

Egal, welche der drei Strategien bei deinem ganz persönlichen Gedankenkarussell zur Anwendung kommt – in jedem Fall musst du Methoden kennenlernen, um die Strategie anzuwenden. Methoden haben eine gemeinsame Eigenschaft: Sie stehen dir nicht schlagartig zur Verfügung, sondern du musst sie erlernen. Das schaffst du mit ein wenig Selbstdisziplin und durch konsequentes Üben.

Methode eins: Ordnung im Kopf

Erinnerst du dich an den rosa Elefanten? Der sicherste Weg, ihn nicht aus dem Kopf zu bekommen, ist, genau das zu versuchen. Genauso ist das mit dem oder den quälenden Gedanken, die dir im Kopf herumschwirren. Das Eigenkommando “Ich muss diesen Gedanken loswerden!” bewirkt das exakte Gegenteil: Er verfestigt sich nur noch weiter.

Aber es kommt noch schlimmer: Die vergeblichen Versuche, den Gedanken endlich zu verbannen, generieren weitere Gedanken, die aufs Karussell aufspringen: “Warum schaffe ich das nicht, verflixt noch mal?” – “Was ist nur los mit mir?” – “Das muss ich doch in den Griff kriegen!”

Ergebnis: Das Gedankenkarussell kreist noch schneller und hat jetzt noch mehr Passagiere an Bord.

Wenn du Harry Potter gelesen hast, kennst du die Methode bereits: Gegen Dementoren hilft der Patronus-Zauber – er drängt die Seelenfresser zuverlässig zurück. Allerdings gehört er zu den schwierigsten Zaubersprüchen, denn er verlangt von dir, dass du in der größten Not einen Weg findest, an etwas Schönes, Glückliches zu denken.

So musst du gegen deinen mentalen Hamster im Laufrad vorgehen:

Versuche, das Positive in dem quälenden Gedanken zu finden. Das mag anfangs schwer bis unmöglich erscheinen, doch nach einiger Zeit wirst du erkennen, dass die meisten Dinge einen positiven Aspekt haben. Fasse deinen Gedanken als Herausforderung auf, das Problem anzugehen und freue dich darauf. Das verlangsamt nicht nur das Gedankenkarussell – es hilft auch dabei, eine Problemlösung zu finden.

Methode zwei: beobachten statt ablenken

Einfach an etwas anderes denken – das erscheint vielen als nächstliegende Idee, wenn es darum geht, dem Gedankenkarussell zu entkommen. Aber denk mal an etwas anderes, wenn dir ein rosa Elefant im Gehirn herumspukt!

Natürlich ist es nicht falsch, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen als mit den Gedanken, die im Gedankenkarussell ihre Runden drehen. Die Küche aufzuräumen kann eine gute Idee darstellen, zumindest für die Sauberkeit in der Wohnung. Allerdings wird das wenig gegen die kreisenden Gedanken ausrichten. Ob Sport, Hobby oder Sex – das alles kann vorübergehend Erleichterung verschaffen. Das Problem dabei: In den meisten Fällen setzt sich das Gedankenkarussell am Ende wieder durch.

Wenn du etwas erreichen willst, musst du offensiv vorgehen. Statt den oder die quälenden Gedanken zu verdrängen, gehe sie bewusst an und versuche herauszufinden, was es ist, dass sie zu einem derart quälenden Wegbegleiter werden lässt.

Manifestiere deine Gedanken in der materiellen Welt, indem du sie aufschreibst, ganz unwillkürlich, so wie sie dir aufs Papier fließen. Du wirst erkennen: Die Materialisation schafft die Ordnung, die letztendlich das Gedankenkarussell zum Stehen bringt oder zumindest verlangsamt. Du wirst erkennen, dass du dir zu viele Gedanken machst – über die Vergangenheit ebenso wie über die Zukunft. Besonders bei letzterem wird dir die Sinnlosigkeit bewusst werden: Du machst dir Sorgen über Dinge, die noch gar nicht eingetreten sind.

Besonders sinnlos sind Sorgen darüber, was andere über dich denken. Auch das wirst du erkennen, wenn du deine Gedanken in der eigenen Handschrift vor dir siehst. Die anderen haben vor allem sich selbst, um darüber nachzudenken. Du stehst nicht im Mittelpunkt ihrer Gedanken.

Methode drei: Ordnung in den Laden kriegen

Diese Methode ist angebracht, wenn dein Gedankenkarussell hauptsächlich mit aktuellen Themen aus deinem Alltag bestückt ist. Hier gilt die Devise: Stelle die richtigen Fragen, dann erhältst du die richtigen Antworten.

In vielen Fällen kommt das Gedankenkarussell in Fahrt, weil es mit Fragen bestückt ist, die mit “Warum” beginnen. “Warum habe ich nicht längst eine Gehaltserhöhung erhalten?” – “Warum ist Werner plötzlich so frostig zu mir?” – “Warum habe ich vor drei Jahren nicht diese wunderschöne, billige Wohnung gemietet?”

Warum-Fragen haben in der Regel keine Antworten, die dich weiterbringen. Du beschäftigst dich mit Problemen, die auf diese Weise nicht gelöst werden können. Das bringt dich nicht voran, und das Karussell dreht sich immer weiter.

Wenn du anstehende Probleme lösungsorientiert angehst, wirst du am schnellsten Ergebnisse erzielen. “Welche Schritte sind erforderlich, um dieses Ziel zu erreichen?” – “Wie muss ich vorgehen, um dieses Problem zu lösen?” – “Was brauche ich, um diese Herausforderung zu bewältigen?”

Fazit

Das Gedankenkarussell ist eine endlose Abfolge destruktiver, negativer oder unproduktiver Gedanken. Um den Teufelskreis zu durchbrechen, lassen sich drei Strategien anwenden: verlangsamen, vereinfachen oder umwandeln. Als Methoden, um die Strategien in die Tat umzusetzen, bieten sich vor allem die positive Umwertung und die Strukturierung an. Aus letzter geht schließlich eine lösungsorientierte Herangehensweise hervor, die zu konkreten Handlungsschritten führt. Wenn du genau weißt, was die quälenden Gedanken hervorgerufen hat und wie du gegen sie vorgehen kannst, kommt dein Gedankenkarussell zuverlässig zum Stehen.

Tipp

Ich meditiere jeden Tag um 8 Uhr. Es gleicht auf Dauer auch der Erziehung der Gedanken. Sie werden ruhiger und innerlich ist man ausgeglichener.

Wie du deine Berufung und deinen Seelenauftrag findest